Dienstag, 1. Juli 2014

Dort kommt Ihr wahrscheinlich nie hin!

Ich spreche vom Massacre Canyon bei Cookes Peak.

Blick nach Westen

Zwar ist Cookes Peak Range nicht allzu weit von Deming entfernt (von der Bundesstraße 26 am Wasserturm links abbiegen, dann auf einer unbefestigten Straße etwa eine gute dreiviertel Stunde weiter); der Massacre Canyon allerdings ist heute noch unzugänglicher als zu den Tagen der Apachen.

Während Pferde relativ einfach übers dortige Geröll und Steilböschungen gallopierten, ist das Gelände für moderne Mittel der Fortbewegung doch ziemlich herausfordernd.

Selbst mein Honda mit Allradantrieb hätte diesen Ausflug nicht unbeschadet überstanden.
Grund: Das Auto liegt nicht hoch genug über der Straße.
Man braucht also einen Kleinlaster, da diese Vehikel i.d.R. hoch genug liegen, so dass wadenhohe Steinbrocken einem nicht die Ölpfanne oder andere fürs Auto lebenswichtige Teile demolieren.
Da der Canyon aber auch scharfe und enge Kurven aufweist, darf der Kleinlaster auch nicht zu lang sein. Man stelle sich vor, bei schattenlosen 30° in der menschenleeren Einsamkeit samt Auto in einer Kurve steckenzubleiben!

Zum Glück habe ich Freunde, die über passende Fahrzeuge verfügen.
Und zum Glück war Pete schon mehrere male in diesem Canyon.
Ansonsten hätten wir ihn nie gefunden!

Zwar hatte ich zuvor schon mehrere Wegbeschreibungen studiert, z. B. die von  Larry Bourne in seinem Blog. Seinen Anweisungen zufolge biegt man von der Green Leaf Mine Road "nach acht Meilen nach rechts auf einen Wüstenweg ab." Allerdings gibt es dort mindestens ein Dutzend solcher Wege! Und wie bitte unterscheidet man einen "Weg" von einem Trampelpfad, den die dort grasenden Rindviecher hinterlassen haben?

(Hier ist der Link zu Larrys Blog, http://gogittum.com/blog/?cat=163
Das Foto unter der Landkarte gibt Euch einen Eindruck davon, was man hierzulande unter "Straße" (road) versteht!)

Vor ein paar Wochen also trafen sich sechs von uns zu diesem Abenteuer. Wir brachen mit zwei Autos auf. Der Canyon verläuft auf der Ost-West-Achse und ist ungefähr 10 Kilometer lang. Wir wollten zuerst zum westlichen Eingang, da sich dort  sehr gut erhaltene Petroglyphen befinden.

Dass wir - und unsere Fahrzeuge - wohlbehalten den Westeingang  erreichten, war schon ein kleines Wunder!
Zwar ist die - unbefestigte - Green Leaf Mine Road (über die Bundesstraße 26 zu erreichen) relativ gut befahrbar, sobald man allerdings auf jenen Wüstenweg, der einem zum Canyon bringt, abgebogen ist, ist es mit der Spazierfahrt aus!

Zeitgenossen mit Rückenproblemen sollten vorher ihren Arzt befragen! Selbst bei "Geschwindigkeiten" von 5 Meilen per Stunde wird man derart herumgeworfen, dass man es bereut, nicht regelmäßig Yoga geübt zu haben! Manchmal hielten wir an und stiegen aus, um die nächste Böschung oder Senke in Augenschein zu nehmen und um herauszufinden, wie das Gelände am besten zu meistern sei.

Aber wie gesagt, wir kamen in relativ guter Verfassung am Westeingang des Canyons an und verbrachten gut zwei Stunden mit dem Herumkraxeln und Fotographieren der in die Felsen gemeißelten Bilder. (Ich habe keine Fotos aufgenommen, aber weiter unten folgt der Link zu der Slideshow meines Freundes David.)

Dann ging es weiter, in den Massacre Canyon hinein, der von Anno 1861 bis in die 80er Jahre des 19. Jahrhunderts die gefürchteste und tödlichste Strecke für Ost-West Reisende war.

"Straße" nach Osten


























Wenn nach Westen Reisende die auf dem obigen Foto festgehaltene Stelle erreichten, konnten sie aufatmen: Sie hatten überlebt. Diejenigen, die in umgekehrter Richten unterwegs waren, wußten nicht, ob sie lebend das Ostende erreichen würden.

Der Canyon bot den Apachen, die sich seit 1861 mit den Bleichgesichtern auf dem Kriegspfad befanden, unzählige Möglichkeiten, hinter Felsen und in Senkungen Reisenden aufzulauern. Und da sich am Osteingang eine der hierzulande eher seltenen Quellen befand (und sich immer noch befindet), wo sich Zweibeiner und Vierbeiner mit dem lebensspendenden Naß versorgen konnten,  gab es im Canyon relativ viel "Durchgangsverkehr."

Massacre Peak









Einigen Schätzungen zufolge kamen zwischen 1861 und 1886 um die 400 Menschen in diesem Canyon durch die Hände der Apachen ums Leben. Die Leichen wurden oftmals verstümmelt. Andere Reisende, die nach den Unglücksraben vorbeikamen, legten einfach Steine über die Überreste. (Der Boden ist zum Grabschaufeln zu hart.)

Grab eines Unbekannten im Massacre Canyon






Grab

1863 dann wurde Fort Cummings nahe dem Osteingang errichtet, um Reisende - halbwegs - zu schützen. Genützt hat es nicht viel. Selbst dort stationierten Soldaten, die im Januar 1866 sich zum Holzhacken in den Canyon trauten, wurde der Garaus gemacht. 

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie diese Gefechte zwischen Apachen und Weißen abliefen, kann das in der März-Ausgabe der Desert Exposure nachlesen:  http://www.desertexposure.com/201403/201403_cookes_canyon.php

Wir sahen während den vier Stunden, die wir im Canyon verbrachten, keine einzige Menschenseele. Erst bei Fort Cummings trafen wir auf ein Paar, das sich aber nicht in den Canyon traute - aus Mangel an einem geeigneten Fahrzeug.

Zuhause angekommen legte ich mich für eine Stunde in die Badewanne.
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Hier ist der versprochene Link zu der Foto-Slideshow meines Freundes David:
https://www.flickr.com/photos/dlo575/sets/72157644607918713/show/with/13945609099/

(Die Slideshow beginnt mit Fotos von den Überresten von Fort Cummings am Osteingang des Canyons und endet mit den Petroglypen am Westeingang. Die Reihenfolge ist also entgegengesetzt der unserer eigentlichen kleinen Reise.)

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