Samstag, 9. Februar 2013

Wie wohnt man hier eigentlich?

Ich erinnere mich lebhaft, als ich im Herbst 1999 zum ersten mal hier im Südwesten durch Städte wie Tucson und Ortschaften wie Safford und Silver City fuhr. Ich konnte mich an den Straßen und Häusern kaum sattsehen, sah doch alles so ganz anders aus, als ich es von Deutschland gewohnt war.

Wie wohnt man hier eigentlich?
Nun folgen einige Fotos, die ich gestern hier in Deming, NM aufgenommen habe, nebst einigen Kommentaren:




Diese drei Häuser sind auf meiner Straße und gehören mit einem Preisschild von mindestens $300 000 zu den teureren Exemplaren.
(Ich möchte geflissentlich hinzufügen, dass unser Häuschen bei weitem bescheidener ausfällt als die obigen Beispiele!)

Ihr könnt auf den obigen Fotos auch die unterschiedlichen Stile erkennen, die hier in friedlicher Eintracht nebeneinander errichtet werden : Ein älteres Ranchhaus, ein Haus im "Southwest Style" (hier sehr beliebt) und ein Haus im "mixed style."

Eine andere Besonderheit sind die "55+ Communities:" Das sind Gruppierungen von einheitlich gebauten Häusern - manchmal sogar eingezäunt, in denen man nur dann ein Haus erwerben kann, wenn man selbst - oder der Ehegatte - mindestens 55 Jahre alt ist. Diese Regelung hat den unschätzbaren Vorteil, dass man vom Kindergeschrei und lauten Stereoanlagen verschont bleibt. Allerdings muß man manchmal mit lauten Fernsehern der Nachbarn vorlieb nehmen. Schließlich sind die älteren Herrschaften oftmals schwerhörig!

Hier folgen einige Fotos vom "Country Club Estate," einer der exclusiveren "55 + communities," wo alle Häuser im "Southwest Style" gebaut sind:





Die Häuser im Country Club Estate waren vor dem Zusammenbruch des Immobilienmarkts in 2008 relativ teuer. Man mußte für ein Haus wie das obige um die $230 000 hinlegen. Wir kennen einige, die dort wohnen, mittlerweile aus Deming wegziehen wollen (ein nicht seltenes Phänomen), aber festsitzen, da auf dem heutigen Immobilienmarkt der Wert ihres Grundstücks erheblich gefallen ist. Wer Geld genug hat, verkauft sein Haus trotzdem - oft unter starken Verlusten.

Was ist eigentlich ein Haus im "Southwest Style?"
Ein solches Haus ahmt die mit luftgetrockneten Lehmziegeln (Adobe genannt) errichteten Pueblos und die ebenso gebauten ursprünglichen Häuser in Santa Fe nach (deshalb auch die Bezeichnung "Santa Fe Style Home").
Was allerdings bei den neuen Häusern aussieht wie Adobe ist nichts weiter als herkömmlicher Mörtel.
Weitere Charakteristika des Southwest Style Home sind hohe Decken, sichtbare Balken, flache Dächer, eine runde Feuerstelle, eingebaute Abstellsimse, ein eingezäunter Innenhof, und warme, erdige Farben drinnen wie draußen.
Solche Behausungen werden dann natürlich auch entsprechend mobliert. Biedermeier oder high-tech wäre äußerst unpassend! Die Nähe zu Mexiko macht es Besitzern relativ einfach, passende rustikale Möbel und anderes Zubehör günstig zu erstehen.

"Mobile Home Parks" stellen eine andere Variante des abgeschirmten Wohnens dar. Ein "mobile home" ist eine Behausung, die mal auf mindestens vier Rädern an ihren Bestimmungsort - hier der Mobile Home Park - gebracht wurde.




Die "mobile homes" in dem "park" in der Tennyson Street sind meist sehr gepflegt, aber älter, kleiner (diese sogenannten "single wides" haben nicht mehr als 90 qm), die jeweils auf einem kleinen Grundstück stehen. Man kann ein solches "single wide" in einem "park" wie diesem für $20 000 erstehen. Allerdings bleibt das Stückchen Erde, auf dem diese Dinger stehen, im Besitz des "parks" und man muß monatlich eine Art Miete für das Land von ungefähr $300 bezahlen.

Apropos "mobile homes:"
Hier in Deming, bei Solitaire an der Bundesstraße 549, werden sie gebaut und versandfertig zusammengesetzt. Heute werden diese Fertighäuser allerdings nicht mehr "mobile homes," sondern "manufactured homes" oder "modular homes" genannt.




Das zweite Foto zeigt ein "single wide," das - wie der Name impliziert - schmaler ist und in einem Stück geliefert wird. Für die Belieferung eines "double wide" (drittes Foto)  braucht man zwei Lastwägen: die vordere und hintere Hälfte müssen getrennt verschickt werden.

Die Kosten für ein neues "single wide" belaufen sich um die $40 000; für ein "double wide" - oder gar "triple wide" kann man, je nach Größe, bis zu $180 000 hinblättern. (Mittlerweile gibt es ökologisch gebaute Fertighäuser mit Solarzellen und allem drum und dran für über $300 000! Die werden allerdings nicht bei Solitaire gebaut.)
Dass dieser Fertighäuser komplett mit Herd, Kühlschrank, Microwellenofen, Einbauschränken, Badewannen etc. kommen, macht diese Art von Behausung sehr attraktiv.
Da Land hier relativ günstig ist, stellt ein solches Fertighaus eine beliebte und preiswerte Alternative zum "site-built home" dar.

Ich hätte am liebsten ein Haus im ältesten Teil der Stadt gekauft, der knapp südlich der Autobahn liegt. Die Häuser hier haben oft zwei Stockwerke, sind um die 100 Jahre alt und haben viel Charme.
Hier ein Beispiel:


Diese Behausungen sind allerdings entweder unerschwinglich (zumindest für unser Budget) oder so sehr heruntergekommen, dass man jahrelang viel Arbeit und viel Geld hineinstecken muß.

Der weitaus größere Teil des älteres Stadtteils sieht allerdings weniger exklusiv aus:


Obwohl Deming und Luna County zu einem der ärmsten Gebiete der USA gehören, wohnen die meisten Leute in Häusern. Das hat gute Gründe:

  • Hausbesitz gehört zum "American Dream."
  • Gerät man in eine Notlage und wird man z.B. von der Wohlfahrt abhängig, kann man hier nicht gezwungen werden, sein Haus zu verkaufen und in eine Wohnung zu ziehen.
  • Die Hypothekenzahlungen sind manchmal niedriger als die Mieten.
Allerdings muß ich hinzufügen, dass, was hier als "Haus" bezeichnet wird, in anderen Teilen des Landes oder in Deutschland lediglich als "Hütte" oder "Bruchbude" durchgehen würde.

Ein großer Teil der Stadt sieht so aus:







Und wie sehen nun die Wohnhäuser aus?
Mietshäuser wie in Deutschland sucht man hier vergebens. Wohnungen findet man in Apartment "Villages," wie das "Mariposa Village," ebenfalls - wie der Mobile Home Park - in der Tennyson Street gelegen.
Hier sind Apartmenthäuser wie große Einfamilienhäuser gebaut, die aus vier Wohnungen bestehen, zwei Eingänge nebeneinander vorne, zwei auf der hinteren Seite des Hauses. Diese "Villages" haben dann meist auch einen Gemeinschaftsraum und einen Waschsalon.




Und die Mieten?
Vor ein paar Jahren habe ich mich da mal Spaßes halber erkundigt. Falls mein Gedächtnis mich nicht trügt, beläuft sich die Miete für ein "2-bedroom apartment" um die $600. Mariposa Village verfügt allerdings über eine bestimmte Anzahl von öffentlich geförderten Wohnungen, die dann denen mit einem kleineren Budget vorbehalten sind.

Wie oben schon erwähnt, wohnen wir in einem kleinen, älteren Bauernhaus vvon 137 qm. Für uns und unsere beiden Vierbeiner ist das Platz genug!

Und wie wohnt Ihr?
Wieviel qm habt Ihr zur Verfügung?
Seid Ihr mit Eurer Wohnungssituation zufrieden oder wollt Ihr Euch verändern?

Kommentare:

Michi und Shaina hat gesagt…

Sehen gut aus die Häuschen. Ich bin mit meiner Frau auch gerade auf Haussuche in CA. Wir betreiben übrigens auch einen Blog in dem wir über unsere Erfahrungen hier berichten. Schau mal vorbei wenn du Lust hast!!

Monika hat gesagt…

Hallo Michi und Shaina,

ich wünsche Euch alles Gute für Eure Haussuche! Die Preise in CA sind wahrscheinlich doppelt so hoch im Vergleich zu hier, dem Süden New Mexikos.

Gebt mir doch mal die Adresse Eures Blogs! Ich würde ihn mir gerne anschauen.

Anonym hat gesagt…

Hallo Monika,

gerade habe ich den Bericht von Dir gelesen.

Ich heiße Thomas und wohne in 83607 Holzkirchen. Das ist in Oberbayern südlich von München ganz in der Nähe vom Tegernsee. Eine der schönsten Gegenden in Deutschland. Trotzdem wird es hier ziemlich eng im Großraum München, weil wegen der guten Arbeitsmarktlage immer mehr Menschen hier her ziehen. Das verteuert dann Mieten und Kaufpreise. Wenn dann Gutbetuchte die hohen Preise bezahlen können und Einheimische nicht mehr mithalten können, dann ist das ein Gentrifizierung, wie das heute so schön auf Neudeutsch heißt.

Aus verschiedenen Gründen möchte ich meine Eigentumswohnung verkaufen und noch einmal einen Wohnsitzwechsel vornehmen. Eigentlich bin ich bei Immoscout24 erst einmal nur in das westliche Umland von München unterwegs gewesen, weil hier noch Grundstücke zu haben sind, die nicht 2000 Euro je Quadratmeter kosten, sondern auch schon ab 200 Euro gehandelt werden. Natürlich sind diese Preise nicht mit Demin vergleichbar. Hier ist ja alles kleiner und dichter besiedelt. Die Preise in San Francisco oder New York sind ja auch ganz anders angesiedelt.

Der Zufall wollte es, daß ein Makler aus Fürstenfeldbruck nicht nur Grundstücke in der Umgebung angeboten hat, wofür ich mich auch zunächst interessierte, sondern eben auch ein Grundstück in der Nähe von Demin. Das ist natürlich Außenbereich und schaut ziemlich einsam aus auf den Photos. Das Grundstück hat eine Größe von 80 ac, also ca. 32 ha. Der Preis klingt unglaublich: 45 000 Euro?!

Jetzt habe ich natürlich im Internet etwas umgegraben und mich informiert, ob das nicht bloß ein Fake ist. Es ist natürlich so, daß es oft Grundstücke mit 1 ac für 9999 Dollar gibt, wenn dann ein oben erwähntes Beispiel eben 80 ac hat, dann müßte es auch viel teurer sein. Vielleicht aber ist das ja Farmland und man stellt bloß ein Gebäude drauf, der Rest ist eben Farmland. Wobei natürlich die Frage besteht, ob Farmland in einer sehr trockenen Gegend sinnvoll ist?

Jedenfalls kostet das Grundstück bloß 85 Dollar jährlich an Grundsteuer, das deutet auf einen niedrigen Wert hin, vielleicht ist das Zoning ja auch bloß Agricultural oder zwar Residential aber eben Rural und dann sind die möglichen Bebauungen irgendwie beschränkt.
Das sind nur meine Vermutungen, weil ich das Land ja nicht gesehen habe in Natura. SO sitze ich nun am anderen Ende der Welt und lese Deinen Blog.

Mit bairischen Grüßen und Servus aus Bayern

Thomas