Samstag, 8. Oktober 2016

Wahlkampf

Jeden morgen schaue ich mir im Internet die Tagesschau an. Berichte über Trump erspare ich mir meistens, da ich mir den Tag nicht völlig verderben möchte.

Den Beitrag mit dem Titel "Du kannst ihnen zwischen die Beine greifen" hat meine Aufmerksamkeit (oder sollte ich sagen "meine Alarmbereitschaft"?) dennoch zu einem Grad erhöht, dass ich mir ihn nicht nur durchlas, sondern auch den Link zum Video der Washington Post mit dem Originalmitschnitt anklickte.

Wir können uns hier jeglichen inhaltlichen Kommentar sparen. So einer hätte in Deutschland noch nicht einmal die Chance, Dorfvorsteher zu werden.

Was ich hier kommentieren möchte, sind die optimistischen Äußerungen der SWR Korrespondentin Sabrina Fritz:
  • "Es könnte der Tropfen sein, den ihn endgültig zum Verlierer macht." 
  • "Es ist nicht das erste Mal, dass Trump Frauen beleidigt, doch dieser Mitschnitt könnte ihn die Präsidentschaft kosten." 
Ich wünschte, es wäre so.
Es entspricht allerdings nicht meinen Beobachtungen hier.

Die Unfähigkeit - und Unwilligkeit, Wahlentscheidungen auf Informationen zu basieren (und nicht auf Emotionen) ist hier leider so weit verbreitet, dass mir jeglicher Hoffnungsfunke abhanden gekommen ist.

Trump kann sagen, was er will.
Millionen werden für ihn stimmen.
Auch Frauen.

Seine kurze Entschuldigung und - mehr noch - seine Vermutung, dass die Veröffentlichung jenes Mitschnitts lediglich eine "distraction from the issues we are facing today" (eine Ablenkung von den wirklichen gegenwärtigen Problemen) darstellt, werden für die Trump Anhänger völlig ausreichend sein, um diese Angelegenheit schnellstens beiseite zu legen.

(Als ob Sexismus, Gewalt gegen Frauen, ungleiche Gehälter nicht zu den amerikanischen "issues" gehören würde!)

Nein, er präsentiert sich den Massen äußerst erfolgreich als "ganzer Mann," der hart mit den Illegalen im Land durchgreifen will, wieder für Recht und Ordnung sorgen wird, der auf der Bühne vor einem verheißungsvollen Licht erscheint, der sogar die Stahlkappe der Bergbauarbeiter trägt - als eindeutiges Zeichen dafür, wie sehr ihm, dem Milliardär, die Nöte der Arbeiterklasse am Herzen liegt, der sogar zu "smart" ist, um Steuern zu zahlen (!), und der in einfachen, simplen Sätzen spricht, die jeder verstehen kann.

Ein toller Typ also!
Und - das allerwichtigste? Er ist derjenige, der Amerika wieder großartig machen wird!

Die Beantwortung der Fragen, ob das eigentlich nötig ist, was das denn heißt und mit welchen Mitteln Trump das, was "great" für ihn bedeutet, erreichen will, ist dann schon mit mehr Nachdenken verbunden, als der Durchschnittsamerikaner und die Durchschnittsamerikanerin aufbringen will.

In meiner Nachbarschaft sind die ersten Trump-Schilder in den Vorgärten aufgetaucht. Eines davon gehört Nancy (nicht ihr richtiger Name). Wenn sie von "Donald" spricht, leuchten ihre Augen. Sie arbeitet ehrenamtlich in einem kleinen Museum. Als sie dort eines morgens eine Trump-Karrikatur auf dem Schreibtisch fand, den ihr Vorgänger am Abend zuvor vergessen hatte, war sie drauf und dran, ihr Ehrenamt niederzulegen.

Ich habe noch keine Hillary-Schilder gesehen.

Und ich lebe in einer in dieser Hinsicht "gemischten" Nachbarschaft. Bis vor einigen Monaten gab es noch Bernie Sanders-Schilder!

Mein Wanderpartner erzählte mir kürzlich von seinem Bekannten Jeff. Jeff hatte vor einigen Jahren einen Aufkleber auf seiner Stoßstange, der von seiner Abneigung gegen Bush keinen Hehl machte. Als Jeff nun von einer Wanderung in der Gila Wilderness zu seinem Auto zurückkehrte, mußte er zu seinem Entsetzen feststellen, dass seine Reifen durchstochen waren.
(In einer so abgelegenen Gegend wie der Gila Wilderness und natürlich ohne Funkverbindung kann das lebensgefährlich sein!)

Die Stimmung ist aufgeheizt.
Zu welchen Untaten sind Nachbarn fähig, wenn sie feststellen, dass der Typ links von ihnen den anderen Kandidaten/die andere Kandidatin wählt?

Am Zaun um das Grundstück gegenüber des hiesigen Postamts war bis vor kurzem ein Trump-Schild angebracht. Eines morgens war es verschwunden.

Kam der Grundstücksbesitzer zur Vernunft? Oder - wahrscheinlicher - ist da ein Hillary-Anhänger am Werk, der diese Schilder klammheimlich abmontiert?

Das Wahlergebnis wird äußerst knapp ausfallen, unabhängig von jeglichen "Enthüllungen."

Hier die Links:



Kommentare:

Catherine hat gesagt…

Ich teile deine Einschätzung. Es ist ein wenig so, als ob die Medien jetzt aufatmen würden. Aufatmen, weil sie sich verantwortlich für seinen Aufstieg fühlen. Ich werde mir ganz bestimmt die Debatte heute abend anschauen, befürchte dabei fast die Zeitungstitel von morgen. "Trump's resurrection!".
Übrigens in meiner Nachbarschaft ist letzte Woche das erste Trump-Schild aufgetaucht. Mutig, Hillary hat hier deutlich die Oberhand.

Monika hat gesagt…

Danke für Deinen Kommentar!

Auch ich habe mir die TV Debatte gestern angesehen.
Der Titel des Beitrages von Rolf Büllmann auf tagesschau.de "Ein weiterer Schritt zur Niederlage" (http://www.tagesschau.de/ausland/uswahl/tv-duell-usa-kommentar-101.html) ist leider irreführend und unzutreffend.

Man übersieht - und unterschätzt - völlig "rural America" (das ländliche Ametika), wo sich die Leute meist mit Fox News "informieren."

Es gibt einen Hoffnungsfunken für das südliche New Mexico: Wir "Anglos" sind in der Mnderheit. Den größten Bevölkerungsanteil stellen die Hispanics dar.